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| Beruf Tierbestatter / Tierbestattung |
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| 12.08.2006 / Kölner Stadtanzeiger | |
| Kategorie: Tagespresse | |
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Inhalt: Tierbestatter ermöglichen Hunde- und Katzenhaltern würdevolle Abschiede vom treuen Begleiter In dieser Serie stellen wir im 14-tägigen Rhythmus Menschen vor, die ihr Geld alles andere als alltäglich verdienen. Der letzte Weg von Hasso, Bello oder auch Minky wird mitunter auch mitten im Garten von Andreas Hohmeier geebnet. Hier, in einem zum Besprechungszimmer umfunktionierten Gartenhäuschen, empfängt der 46-jährige Wermelskirchener viele seiner (menschlichen) Kunden. Der kleine Raum mit seinen Holzwänden, dezentem Licht und stilvoll drapierter Tischdecke könnte fast gemütlich sein - wären da nicht die Urnen und kleinen Särge, die in Glasschränken auf ihre tierische Bestimmung warten. Vor mehr als zwei Jahren hat sich Hohmeier als Tierbestatter mit seinem Unternehmen „Vergissmeinnicht" selbstständig gemacht. Seitdem begleitet er verstorbene Hunde, aber ebenso Katzen, Nager und Wellensittiche auf ihren letzten Weg - und mit ihnen vor allem die Tierhalter; denn ähnlich wie die Humanbestatter sieht auch Hohmeier einen wichtigen Teil seines Berufes in der Trauerarbeit mit den (menschlichen) Hinterbliebenen. Damit aber enden die Parallelen zur Arbeit der Humanbestatter schon. Zwar präpariert mitunter auch Hohmeier die verstorbenen Tiere für letzte Verabschiedungs-Feiern von Herrchen und Frauchen, ähnlich wie dies mit menschlichen Leichnamen geschieht. Vergleichbare Trauerfeiern aber gibt es bei Haustier-Bestattungen nicht, und auch im Frack, Zylinder und schwarzem Hemd kommen die Tierbestatter nicht daher. Darüber hinaus werden die meisten Tiere weder in Särgen gebettet noch landen sie auf einem der inzwischen mehr als 150 deutschen Tierfriedhöfe. „Nahezu alle Halter lassen ihre Lieblinge in einem Tierkrematorium einäschern", erzählt Hohmeier. Davon gibt es derzeit bundesweit erst drei, und so fährt der 46-jährige regelmäßig einmal die Woche zur Einäscherung uns Krematorium. Wenngleich der Beruf des Tierbestatters noch jung ist und erst in den vergangenen Jahren an Zuspruch gewonnen hat, sind Tierbestattungen keineswegs eine Zeiterscheinung oder neuzeitlicher Ausdruck übertriebener Zuneigung zum Haustier. Schon im alten Ägypten waren Begräbnisstätten für die Tiere, die als heilig galten, üblich - so war zum Beispiel der Krokodilfriedhof am Nil nichts Ungewöhnliches. Heute mangelt es Tierhaltern häufig an Alternativen zur „offiziellen" Tierbeerdigung, da Selbstbestattungen im eigenen Garten nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt sind. Die „Entsorgung" über den Tierarzt ist für die Mehrheit der Tierhalter tabu - wird der treue Begleiter doch hier in einer Tierkörperverwertungsanstalt letztlich zu Tiermehl und Fetten verarbeitet. In Ausbildungsdatenbanken sucht man den Tierbestatter dennoch bislang vergeblich, da die Tätigkeit nicht staatlich anerkannt ist. Doch nach Schätzungen sollen zurzeit bundesweit um die 180 Menschen als Tierbestatter tätig sein - Tendenz zunehmend. Besondere Qualifikationen sind hierfür zwar nicht vorgeschrieben, aber doch erforderlich. „Man sollte über viel Fingerspitzengefühl sowie Kommunikationsstärke verfügen und mit Menschen sensibel umgehen können", berichtet Hohmeier. Eine Hürde gibt es allerdings doch: Vor dem Start als Tierbestatter steht in jedem Fall ein Besuch des Amtsveterinärs. Dieser muss die Räumlichkeiten vor Ort begutachten und bestätigen, dass sie für die Arbeiten geeignet sind. So müssen etwa ausreichend Kühlmöglichkeiten sowie ein Raum zur Desinfektion vorhanden sein. Der gelernte Werkzeugmacher Hohmeier, der in seiner früheren Tätigkeit keine Perspektive mehr sah, erkannte seine Chance vor rund drei Jahren. Nach einer eingehenden Marktanalyse und mancher Fortbildung wagte Hohmeier schließlich den Sprung in die Selbstständigkeit. „Gewiss, man benötigt einen langen Atem", gesteht Hohmeier, der momentan eine recht große Unruhe auf dem Markt beobachtet: „Viele Tierbestatter geben schon nach zwölf Monaten auf, da sich die Erwartungen nicht erfüllen." Manche werfen die Flinte aber auch ins Korn, da Tierbestatter stets rufbereit sein müssen und somit keine geregelten Arbeitszeiten haben. Denn hier gibt es sie doch wieder, die Parallele zu den Humanbestattern: Auch verstorbene Tiere kann man nicht lange warten lassen. (hol) |
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